Fortsetzung Impuls Männertag 2025 / (7 min. Lesezeit)
Wir brauchen Ermutigung, denn:
Unser positiver, segensreicher Output stößt auf Widerstand und steht schon von Beginn an im Kampf.
Von Beginn an unterliegt unser Leben und Wirken der „gefallenen Welt“. Einer Welt, die durch den Sündenfall von Gott getrennt ist, in der Sünde, Chaos, Verwirrung, Lüge, Ungerechtigkeit und Tod wirken.
„Die ganze Welt liegt im Bösen.“ (1. Johannes 5,19)
„Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Wehen bis jetzt.“ (Römer 8,22)
Und wer kennt sie nicht? Die Zweifel in unserem Kopf. Die Stimmen und schicksalhaften Situationen, die uns entmutigen. Die Bibel nennt das „geistigen Kampf“, wo Kräfte und Mächte gegen uns und gegen den positiven Output wirken.
Epheser 6,10:
„Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen.“
Wir erleben also Widerstand in unserem Tun. Und wir alle kennen das: die Kräfte, die gegen uns arbeiten. Situationen, die uns entmutigen. Momente, in denen wir am liebsten aufgeben würden. Zweifel, Verunsicherung und Unglaube zermürben uns.
Und ja, wir haben die Option aufzugeben. Es gibt die Option, etwas vor einem guten Ende und vor einem Durchbruch abzubrechen und aufzugeben. Das gehört auch zum Leben dazu.
Aber es gibt auch Momente, in denen sich ein Durchhalten und ein Kräfte-Sammeln lohnt! Momente, in denen wir NICHT aufgeben, sondern kämpfen, arbeiten und leiden. Für etwas Gutes und für einen Durchbruch und ein Ziel!
Und genau hier benutzt die Bibel hunderte Male das Phänomen der Ermutigung.
In der Bibel finden wir verschiedene Begriffe, die mit Ermutigung, Ermahnung, Trost oder Stärkung übersetzt werden können.
Es gibt nicht die eine Ermutigung, sondern viele Facetten der Stärkung und des Trostes. Aber es gibt sie! Es gibt ein Werkzeug, das uns Kraft spendet, motiviert und hilft, nicht frühzeitig aufzugeben.
Es geht also konkret um die Fähigkeit, Widerstände zu überwinden und ganzheitlich gestärkt zu sein.
Aber warum tun sich besonders Männer mit Ermutigung so schwer?
Ich vermute, weil ich Ermutigung brauche, wenn ich entmutigt bin. Und entmutigt zu sein heißt: Ich bin schwach. Und schwach sein tut weh. Und schwach sein fühlt sich – gerade für Männer – bedrohlich an.
Wir leben in einer Kultur, in der Stärke, Kontrolle und Leistung zählen. Viele Männer haben gelernt: „Schwäche zeigen ist unmännlich.“ Gefühle werden unterdrückt.“
Anerkennung bekommt man durch Arbeit – nicht durch Offenheit. Im Schwabenland kommt noch unser Arbeitsethos dazu: „Schaffa, schaffa, Häusle baua.“ Fleiß, Disziplin, Pflicht – aber Emotionen? Privatsache. Was denken denn die Leute, wenn sie mich so sehen?
Wer über Sorgen spricht, gilt schnell als „nicht zäh genug“. Erfolg und Ordnung gelten als Zeichen von Tugend, Bedürftigkeit dagegen als Schwäche.
Und schließlich die Haltung der Nachkriegsgeneration: „Z’sammreißa und weiter!“ Für Schmerz, Angst oder Überforderung war kein Platz.Die unaufgearbeiteten, erlebten Traumata saßen zu tief und waren zu stark! Diese Haltung des Schweigens wurde weitergegeben – und sie wirkt bis heute.
Ich beobachte, dass wir Männer uns oft zwischen zwei Modi bewegen: „Ich bin stark und habe alles im Griff!“ oder – „Ich bin aggressiv und überfordert, lass mich in Ruhe!“
Alles dazwischen – erschöpft, traurig, ängstlich – wird als „Weichei“ interpretiert. Gleichzeitig steigt die Einsamkeit, wir haben weniger Männer in Gemeinden, tiefe Freundschaften werden weniger, und gleichzeitig steigt die Zeit, die wir in oberflächliche Beziehungen durch digitale Netzwerke investieren.
Die Welt rast und wir sind im Stress – und gleichzeitig werden wir einsamer und isolierter.
Dieses Muster ist zerstörerisch. Wenn wir nicht offen und authentisch über unsere Probleme reden können, um Ermutigung und Heilung zu erfahren, hat das schwerwiegende Folgen:
• Männer nehmen sich dreimal häufiger das Leben als Frauen.
• Zwei Drittel der Alkoholabhängigen in Deutschland sind Männer.
• Bei Drogentoten ist der Männeranteil doppelt so hoch.
Die starke Fassade aus Leere, Einsamkeit, Druck und Angst ist tödlich.
Aber die Angst ist absolut nachvollziehbar. Kann ich dir vertrauen? Oder erlebe ich nur Schmerz, wenn ich mich öffne? Wer bin ich denn, wenn ich nicht mehr leisten kann und mein Erfolg gerade ausbleibt? Wenn das, was ich tun soll, im Moment einfach nicht klappt? Bist du dann gefährlich und besser als ich? Wie denkst du dann von mir? Bin ich dann überhaupt noch was wert oder ein Loser?
Der Leistungsgedanke kann der Ermutigung enorm im Weg stehen. Weil wir uns ungesund vergleichen können.
Vergleiche sind nicht generell schlecht! Wir Männer sind kompetitiv! Im Sport und im Spiel, im gesunden Anreiz und der Herausforderung, in gesunden Zielen und im Wachstum dürfen Vergleiche durchaus ihren Platz haben. Was wäre ein Fußballspiel ohne Vergleiche? Leistung kann besser oder schlechter sein. Und das ist okay.
Aber wenn unser Selbstwert an unserer Leistung hängt, können wir gar nicht schwach sein, weil wir damit unsere ganze Identität verlieren.
Wenn ich der erfolgreichste und tollste sein muss, um überhaupt ein positives Selbstwertgefühl zu bekommen, dann kann ich gar nicht ermutigt werden, weil es ja bedeuten würde, dass ich gar nicht so toll bin!
Wenn wir uns vergleichen, dann führt das zu Hochmut oder zu Entmutigung. Nur wenn mein Wert nicht an meiner Leistung hängt kann ich Ermutigung empfangen, weil es halt mal nicht läuft. Und das ist okay. Aber das bedarf einer stabilen Identität.
Aber was gibt mir denn meinen Wert, wenn es nicht meine Leistung ist?
Eine Antwort finden wir in einer Ermutigung, die Gott selbst ausgesprochen hat! Er spricht diese Stelle zu Jesus, bevor er mit seinem öffentlichen Wirken beginnt. Jesus hat hier zu dieser Zeit also noch keine Leistung erbracht. Noch keine Menschenmassen bewegt, Kranke geheilt, Tote auferweckt oder Dämonen ausgetrieben. Er war erst einmal „nur“ der Sohn. Und Gott spricht ihm zu:
Taufe Jesu:
„Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Matthäus 3,17)
Hier offenbart sich Gott als guter Vater. Er spricht von außen zu Jesus, bevor dieser irgendetwas geleistet hat. Keine Predigt, kein Wunder, kein Werk – und doch sagt der Vater:
„Du bist mein geliebter Sohn.“ Diese Ermutigung schenkt Identität, bevor Leistung geschieht.
Und weil auch wir „Vater“ zu Gott sagen dürfen:
Römer 8,14–17:
„Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“
Auch, wir dürfen dieses Wort empfangen! Auch uns schenkt Gott Identität, bevor wir etwas leisten. Wir sind schon geliebte Söhne Gottes, an denen Gott Wohlgefallen hat, weil es uns gibt!
Wir dürfen leisten – weil wir sind! Wir sind, und deshalb leisten wir – und nicht umgekehrt!
Wenn Leistung unsere Messgröße des Wertes ist und wir uns dadurch vergleichen, dann limitieren wir uns auf unsere weltlichen Erfolge statt auf unsere göttliche Identität. Wenn wir nur jemand sind, weil wir etwas geleistet haben, dann ist das eine Blockade und am Ende kann es sogar einsam und tödlich sein.
Ein weltlich erfolgreicher Mann kann genauso einen weltlich erfolglosen Mann ermutigen wie ein erfolgloser einen erfolgreichen. Weil es nicht auf unsere Vergleiche ankommt, sondern auf Gottes individuellen Weg mit uns. Dort hinein sollen wir unsere Mitmenschen ermutigen.
Am Beispiel Jesu sehen wir, wie Gott als Vater handelt. Durch Jesus dürfen auch wir Söhne Gottes sein. Und so gilt dieser Zuspruch auch uns:
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“
Diese ermutigenden Worte sind kein psychologischer Trost, sondern göttliche Wahrheit. Sie bilden die Basis für echte Ermutigung!
Sie holen uns heraus aus Druck, Scham und Vergleich und stellen uns auf festen Boden – auf die Liebe eines Vaters, der uns kennt und trägt.
Gott will dich ermutigen – damit du selbst zum Ermutiger wirst!
Denn Ermutigung ist kein Luxus. Sie ist lebensnotwendig. Sie beginnt da, wo wir ehrlich werden – vor Gott und voreinander. Wo wir gemeinsam kämpfen statt gegeneinander. Wo wir sagen können:
„Ich hab meinen Scheiß nicht im Griff. Aber Gott hält mich trotzdem. Und ich bin hier nicht allein – ich habe Brüder, die mich tragen und mit mir auf dem Weg sind.“
Gott hat dich nicht aufgegeben. Und er ruft dir zu:
„Du bist mein geliebter Sohn – an dir habe ich Wohlgefallen.“
Sei mutig und stark!
Dein Jonas